Obst allein schützt nicht vor Krebs
Gute Ernährung bessert die Prognose Krebskranker, senkt aber das Krebsrisiko kaum: Nur viel Obst und Gemüse zu essen, schützt nicht direkt vor Krebs, ergeben immer mehr prospektive Studien. Ein gesunder Lebensstil, zu dem Obst- und Gemüsekonsum, aber auch viel Bewegung gehören, bringt aber dennoch viel bei der Krebsvorbeugung. 30 Prozent der Tumoren werden durch eine falsche Ernährung ausgelöst!
In großen Studien mit hunderttausenden Personen war aber die Rate vieler Tumorarten bei Personen, die viel Obst und Gemüse aßen, nicht geringer als bei Personen, die wenig Grünes konsumierten. Auch der Schutz vor Darmkrebs durch eine ballaststoffreiche Ernährung muss in Frage gestellt werden, da in den analysierten Studien von über 700 000 Personen zwischen sechs und 20 Jahren die Rate an Darmkrebs bei denen, die sich ballaststoffreich ernährten, ähnlich hoch war wie bei Personen mit ballaststoffarmer Nahrung (JAMA 294, 2005, 2849).
Der Einfluss der Ernährung zur Krebsprävention sollte daher nicht überbewertet werden. Entscheidend sind ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung und ein normales Körpergewicht. Ein hoher Obst und Gemüsekonsum trägt zu einem normalen Körpergewicht bei. Der Rat, viel Obst und Gemüse zu essen, ist also nicht falsch. Mit einer richtigen Ernährung ist bei Krebskranken deutlich mehr zu erreichen. In Deutschland sind viele Krebskranke mangelernährt, was die Prognose der Patienten verschlechtert.
Wir wissen inzwischen, dass sich bis zu 80 Prozent aller Krebs-Todesfälle vermeiden ließen. Zu diesem Ergebnis gelangt nämlich eine der umfangreichsten Präventionsarbeiten, die an insgesamt 48 Zentren der USA unter Federführung der University of Texas Anderson Cancer Center läuft und in einer Vielzahl von Publikationen dokumentiert wurde. Hier zeigt sich deutlich, dass es viele Aspekte zu beachten gilt und dass man nicht viel weiter kommt, wenn man nur Obst oder ballaststoffreich isst. Die Auswertung der aktuellen Forschung bestätigt jedoch, dass der Einzelne viel dafür tun kann, nicht an Krebs zu erkranken.
Als Krebsursache Nummer Eins gilt nach wie vor das Rauchen. Über 100.000 Menschen in Deutschland bezahlen ihre Nikotinsucht Jahr für Jahr mit dem Leben. Zigarettenkonsum macht rund zwei Drittel aller Krebsfälle aus. Was kaum ein Laie weiß: Rauchen löst nahezu alle Arten von Tumoren aus - und lediglich bei 20 Prozent der Raucher Lungenkrebs. Neben Krebs der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes, der Lunge, Speiseröhre, Bauchspeicheldrüse, Harnblase und Niere sind noch weitere Krebsarten als tabakrauchbedingt identifiziert worden: Magen-, Leber- und Gebärmutterhalskrebs sowie Nierenzellkarzinome.
Bioverhalten im Visier
Das Bioverhalten eines Menschen entscheidet darüber, ob und wann er einen Krebs entwickelt. Jeder Organismus reagiert auf Karzinogene anders, aber die Mechanismen als solche sind die gleichen. Wir können heutzutage folgendes testen:
- Genvarianten, die zu einer unterschiedlichen Verstoffwechslung von Hormonen und Umweltchemikalien führen
- DNA-Reparatur-Gene
- Agenzien, die zur Zell-Mutierung führen
- die bei jedem Menschen unterschiedliche Länge der Telomere
- inflammatorische (entzündungsfördernde) Gene
- das Methylierungsverhalten in der Zelle
So entwickelten Menschen, die auf Grund ihrer falschen Ernährung zu wenig Folsäure zu sich nahmen, verstärkt Blasenkrebs, wenn sie über einen schwächeren DNA- Reparaturmechanismus verfügten. Im Umkehrschluss lassen sich genau solche Fälle vermeiden - wenn bei Kenntnis dieser genetischen Prädisposition über die Ernährung ausreichend Folsäure zugeführt wird.
Einzelne Risikofaktoren der Krebsentstehung sind, je nach Tumorart, ohnehin bekannt. Doch erst das Bioverhalten des Einzelnen entscheidet offenbar darüber, wer an einem Tumor erkrankt und wer nicht. Das genetische Profil wiederum lässt sich durchaus austricksen. So führt die Einnahme von bestimmten entzündungshemmenden Substanzen bei Menschen mit einem hohen genetischen Dickdarmkrebsrisiko zu einer deutlichen Senkung der Krebsrate. Auf Grund dieser Fakten werden insgesamt fünf Wirkstoffe sehr beforscht: Retinoide, Nonsteroidiale antiinflammatorische Wirkstoffe (NSAIDs), Kalzium-Präparate und selektive Östrogen- Rezeptor-Modulatoren (SERMs).
Alte Tipps im neuen Glanz
Bewegung, eine fettarme Kost und Alkohol in Maßen – was wir seit Jahrzehnten empfehlen, findet nun seine molekulargenetische Bestätigung. All diese Verhaltensweisen tragen massiv zur Krebsprävention bei, weil sie dem Reparaturmechanismus des Körpers nicht im Wege stehen oder ihn sogar aktiv unterstützen. Wer sich zudem regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen unterzieht, senkt sein persönliches Krebsrisiko um mindestens 50 Prozent!






