Prostatahyperthermie

Lange bevor die moderne Medizin tiefgreifende Kenntnisse über die Ursachen und Therapien diverser chronischer Krankheiten besaß, setzten griechische Ärzte bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. Wärme und Fieber zur Behandlung verschiedenster Krankheitszustände ein. So stammt auch die Bezeichnung Hyperthermie aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie Überwärmungsbehandlung.
Bei der heute verwendeten Überwärmungsbehandlung (Hyperthermie) wird ein erkranktes Organ oder Gewebe überwärmt und damit einer speziellen Behandlung ausgesetzt. Seit ca. 15 Jahren wird die Hyperthermie immer häufiger zur Behandlung meist chronischer Erkrankungen, entweder alleine oder in Kombination mit anderen Therapieverfahren, wie z.B. Strahle

n- oder Chemotherapie eingesetzt. In vielen kontrollierten Studien konnte die Hyperthermie ihre klinische Wirksamkeit unter Beweis stellen. Sie ist damit zu einer festen Säule der modernen Medizin geworden.

Die Klinik St. Georg in Bad Aibling zählt seit Jahren zu den erfahrensten und profiliertesten Zentren für die Hyperthermiebehandlung von Prostataleiden. Sowohl die gutartigen Prostataerkrankungen, wie die Prostataentzündung (Prostatitis) und die gutartige

Prostatavergrößerung benigne Prostatahyperplasie (BPH) als auch der Prostatakrebs können durch eine lokale, durch die Harnröhre geführte Hyperthermie (transurethrale Radiofrequenzhyperthermie TURF) behandelt werden.

Welche Symptome treten bei Prostataleiden auf?

Für viele Männer sind Prostatabeschwerden ein Tabuthema. Sie leiden lieber heimlich, als zum Arzt zu gehen. Dabei ist gerade die frühzeitige Behandlung der verschiedenen Prostataerkrankungen äußerst wichtig, um einer späteren schmerzhaften und risikoreichen Operation oder einem Krebsleiden vorzubeugen. Viel zu wenig Männer machen von den Vorsorgeuntersuchungen Gebrauch.

Die gutartige Prostatavergrößerung betrifft mehr als 80% aller Männer ab 60 Jahren. Von diesem Alter an nehmen die Prostatabeschwerden und die damit verbundenen Blasenentleerungsstörungen kontinuierlich zu. Die normalerweise kastaniengroße und 20g schwere Prostata kann bereits ab dem 40. Lebensjahr anfangen zu wuchern. Die Folge sind quälender Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, der Harnstrahl wird so dünn wie ein Bindfaden, die Nachtruhe ist durch häufiges Wasserlassen gestört. Besonders gefährlich sind größere Restharnmengen und ein Harnstau bis hinauf in die Nieren. Sie können zu einer Harnstoffvergiftung führen. Mit zunehmendem Alter steigt zudem die Krebsgefahr.

Welche Behandlungsmethoden kommen hauptsächlich für die einzelnen Prostataerkrankungen in Betracht?

Häufig werden die gutartigen Prostataleiden zunächst mit naturheilkundlichen Methoden, wie z.B. Pflanzenextrakten aus Roggenpollen, Brennesseln, Kürbissen und Sägepalmen therapiert. Meistens allerdings nur mit kurzfristigem Erfolg und Linderung, da die entscheidenden Ursachen nicht beseitigt werden, so daß schließlich zur Behebung der immer quälender werdenden Symptome eine Operation mit einem 8 bis 12/tägigen Klinikaufenthalt folgt.

Nach den herkömmlichen Operationsmethoden wird das Wuchergewebe mit einer elektrischen Drahtschlinge abgetragen oder die Prostata mit einem chirurgischen Eingriff durch die Bauchdecke entfernt. Bei beiden Verfahren liegt die Sterblichkeitsrate, je nach Alter, zwischen 1-2,5%. Außerdem sind bei der Operation Komplikationen, wie z.B. Nachbluten, Infektionen, Unvermögen, den Harn zu halten (Inkontinenz), Impotenz sowie eine nach hinten in die Blase gerichtete Ejakulation nicht auszuschließen.

Um die vielen Risiken einer Prostataoperation zu umgehen, wurden in den letzten Jahren andere, nicht operative Behandlungsmethoden entwickelt und mit Erfolg klinisch eingesetzt. Eine der erfolgreichsten ist die Hyperthermie (bis 45°C) bzw. Thermotherapie (45-70°C). Bei den gutartigen Prostataerkrankungen wird die Hyperthermie bzw. Thermotherapie als alleinige Therapiemaßnahme eingesetzt, bei Prostatakrebs je nach Stadium evtl. auch kombiniert mit Hormon- oder Chemotherapie.

Wie funktioniert die Prostatahyperthermie?

Wir verwenden in unserer Klinik das Radiofrequenzgerät PCT2000 der Firma Onco-Therm, das zusätzlich zur Wärme ein stehendes elektrisches Feld generiert. Wir haben uns für die Verwendung von Radiofrequenzwellen entschieden, da sie im Gegensatz zu Mikrowellen eine zuverlässigere und gleichmäßigere Erwärmung der Prostata und des umgebenden Gewebes herbeiführen und weniger schädigend auf gesundes Gewebe wirken.

Bei der von uns praktizierten tranurethalen Thermotherapie wird ein Katheder durch die Harnröhre geführt, der an seinem Ende eine spezielle Sonde trägt. Nach dem Sender-Empfänger-Prinzip werden nun von der PCT2000 über die Sonde Radiowellen durch das Prostatagewebe gesendet, die Empfänger sind an den Oberschenkeln befestigt. Gleichzeitig wird ein stehendes elektrisches Feld aufgebaut, um neben dem thermischen Effekt auch eine galvanische Wirkung zu erzeugen. Je dichter das Gewebe ist, um so mehr absorbiert es die Radiowellen, die in Wärme umgewandelt werden. Dieser Vorgang wird elektronisch über einen Thermofühler gesteuert, so daß beliebige Temperaturen zwischen 45-70°C erreicht werden können. Bei der benignen Prostatahyperblasie (BPH) führt eine Temperatur von 52,5°C zu den effektivsten Therapieergebnissen. Die Thermotherapie bewirkt eine thermische Schädigung des hypertrophierten Prostatagewebes, insbesondere in dem die Harnröhren umgebenden Gewebe. Das elektrische Feld sorgt für eine lang anhaltende Depolarisierung der Alpha-Rezeptoren an der Prostatamuskulatur und damit zu einer Relaxation (Entspannung) der Prostata. Dies hat zur Folge, daß sich die Harnabflussbedingungen verbessern, die Prostata nimmt an Größe ab und die quälenden Symptome wie häufiges und nächtliches Wasserlassen bessern sich. Gesundes Gewebe wird besser durchblutet als krankes Gewebe und kann daher die Hitze leicht abführen. Bei bis zu 50g schweren Vorsteherdrüsen ist meist nur eine schmerzlose Behandlung von drei Stunden nötig. Die Therapie kann ambulant durchgeführt werden und hat im Vergleich zur Operation (Inkontinenz, Impotenz) selten Nebenwirkungen. Beim Prostatakarzinom sind im allgemeinen zwei Behandlungen von drei Stunden im Abstand von 48 Stunden notwendig, um genügend sicher die Krebszellen in der Prostata abzutöten. Da das Karzinom zu früher Ausbreitung (Metastasierung) neigt, wird die Thermotherapie gern mit einer medikamentösen Hormontherapie kombiniert. Die transurethrale Prostatahyperthermie ist also keine Operation und somit sehr viel schonender und mit geringerem Risiko verbunden als ein chirurgischer Eingriff.

Daraus ergeben sich noch weitere Vorteile:

  • keine risikoreiche Operation
  • keine Narkose
  • keine Komplikationen nach einem chirurgischen Eingriff
  • geringe psychische und finanzielle Belastung