Wie probiotische Bakterien die Darmfunktion beeinflussen

Probiotika können einen erheblichen Einfluss auf die Regulation verschiedener Darmfunktionen haben und bei leichten Beschwerden zur Normalisierung der Darmtätigkeit beitragen. Der menschliche Darm eines Erwachsenen beherbergt bis zu 1014 Bakterien von 400 bis 600 verschiedenen Spezies. Typische bakterielle Abbauprodukte im Kolon sind kurzkettige Fettsäuren wie Acetat, Propionat und Butyrat: Sie beeinflussen durch Senkung des pH-Werts das Darmmilieu und sind für eine erhöhte Resorption von Natrium und Wasser im Kolon verantwortlich. Darüber hinaus erhöhen die kurzkettigen Fettsäuren den mukosalen Blutfluss und beeinflussen die mukosale Zellproliferation.

Neben den Milchsäurebakterien, wie beispielsweise den Lactobazillen, zählen Bifidobakterien zu den bekanntesten im Darm vorkommenden Bakteriengattungen. Im Säuglingsalter dominieren sie die Darmflora, bevor sie in den folgenden Lebensjahren zurückgedrängt werden. Die positive Rolle der Bifidobakterien in der kindlichen Darmflora ist unbestritten. Doch auch Erwachsene profitieren von diesen Bakterien. Bifidobakterien, für die in Studien probiotische Effekte nachgewiesen wurden, werden heute Joghurtprodukten zugesetzt, wobei Bifidobacterium animalis DN-173 010 in Activia® eine besondere Bedeutung zukommt. Dort erfüllen diese vielfach wichtige sensorische, nicht zuletzt aber auch probiotische Funktionen, z.B. durch ihren Beitrag, die gastrointestinale Transitzeit zu verkürzen Dies kann eine interessante Option beispielsweise bei leichter Obstipation oder anderen leichten Darmbeschwerden darstellen.

Neuere Daten machen deutlich, dass Funktionsstörungen wie Obstipation, Reizdarmsyndrom oder veränderte Transitzeit mit der neuronalen Steuerung des Darms zusammenhängen: Die Steuerung des gastrointestinalen Transits und der Darmmotilität erfolgt durch das enterische Nervensystem. Es besteht aus ca. 100 Millionen Nervenzellen und wird auch als „Bauchhirn“ bezeichnet. Das enterische Nervensystem steuert neben der Muskulatur der Darmwand auch das Epithel, das Immunsystem und die Gefäße des Darms. Obwohl das enterische Nervensystem keinen direkten Kontakt mit dem Darmlumen hat, werden Signale aus dem Darminneren an dieses weitergeleitet. Verantwortlich dafür ist wahrscheinlich der Neurotransmitter Serotonin, der Signale von spezialisierten Epithelzellen an das enterische Nervensystem weiterleitet. Dies wäre eine Möglichkeit, wie Nahrung und Darmbakterien im Darminneren regulierend auf das enterische Nervensystem und damit indirekt auf die Darmfunktion wirken könnten.

Dass die Regulation des Darms trotz ausgeklügelter Steuerungsmechanismen häufig gestört sein kann, zeigt die weite Verbreitung von Verdauungsbeschwerden und Obstipation: 10-25% der Bevölkerung in den westlichen Industriestaaten berichten beispielsweise von Verstopfungen. Chronische Verstopfung und Obstipation aufgrund eines Reizdarmsyndroms sind die häufigsten Typen der Obstipation. Nur 10-25% der Patienten konsultieren wegen ihrer Verstopfung den Arzt.

In der Therapie sollten zunächst dietätische Maßnahmen ausgeschöpft werden, dann erst sollten Laxantien zum Einsatz kommen. Auf dem Gebiet der Verstopfungen finden neue Probiotika wie Bifidobakterien ein potentielles Anwendungsgebiet: Insbesondere probiotische Lebensmittel sind ein hoffnungsvoller Ansatz in der dietätischen Therapie vieler Formen der Verstopfung.

In ersten Studien (1,2) wurde eine Reduktion der orofäkalen Transitzeit für einen probiotischen Joghurt mit dem Stamm Bifidobacterum animalis DN–173 010 nachgewiesen (Activia®). Weitere Einsatzmöglichkeiten von Probiotika bei gastrointestinalen Erkrankungen sind beispielsweise die Antibiotika-assoziierten Diarrhöen, infektiöse Enteritis, chronisch entzündlicher Darmerkrankungen. Somit liegen durchaus Belege dafür vor, dass Probiotika die Darmflora beeinflussen und dabei präventive und therapeutische Effekte erzielen.

Literatur:
(1): Bouvier M, et al: Effects of consumption of a milk fermented by the probiotic Bifidobacterium animalis DN-173 010 on colonic transit time in healthy humans. Bioscience and Microflora 2001; Vol 20(2): 43-48, 2001. (2): Meance S, et al: Recent advance in the use of functional foods: Effect of the commercial fermented milk with Bifidobacterium animalis strain DN-173 010 and yoghurt strains on gut transit time in the elderly. Microb Ecol Health Dis 2003; 15: 15-22.