Warum sterben immer mehr Menschen an Krebs, obwohl die Pharmaindustrie Milliardengewinne mit Krebsmedikamenten macht? Warum ist dort die Sterblichkeit am geringsten, wo es am wenigsten Ärzte gibt? Warum lassen wir uns immer noch ein Gesundheitssystem gefallen, das uns finanziell ausbluten lässt, das aber unsere Krankheiten nicht heilen kann? Der nüchterne Blick des Autors zeigt Zustände und Entwicklungen, die insgesamt nur noch das Bild einer schrecklichen Groteske ergeben.

Es gibt viele Gründe, warum unsere medizinische Versorgung trotz einem nicht zu übersehenden Fortschritt immer schlechter statt immer besser wird. Zum einen haben Mediziner schlechte Arbeitsbedingungen. Sie sind im Alltag gezwungen, sich mit einem Wust an Bürokratie auseinanderzusetzen, anstatt sich in Ruhe um ihre Patienten kümmern zu können. Die Pharmaindustrie, die Kassenärztlichen Vereinigungen und die Kassen sind mächtig geworden, sie bestimmen was sein und was nicht sein darf. Sie setzen nicht nur Lehrmeinungen und Standards fest, sondern auch die Behandlungsnormen. Wer sich nicht an Richtlinien und Paradigmen hält, wird als Arzt diffamiert oder sogar bestraft. Dazu kommen ständige Regresse oder Regressdrohungen. Dadurch ist nicht nur der freie Beruf des Arztes bedroht, sondern auch die Therapiefreiheit. Was verschrieben wird und werden darf, entscheiden längst nicht mehr die Ärzte. Altbewährte Medikamente sind auf diese Art und Weise durch die Gesundheitsreform verschwunden, Kassen und Privatkassen sind immer restriktiver. Vieles muss der Patient bereits aus eigener Tasche bezahlen. Die befürchtete Zweiklassen-Medizin ist da.

Medizin in der Krise

Auch die Forschung ist nicht mehr unabhängig. Die Pharmaindustrie steuert auch sie an den Universitäten. Es herrscht keine Meinungsvielfalt mehr. Meinungen werden in Richtlinien und im Konsensus diktiert ähnlich wie bei der Kirche im Mittelalter, als alles dogmatisiert wurde und Paradigma-Abweichler der Ketzerei beschuldigt und geköpft oder verbrannt wurden. Wenn es aber nicht damals schon kritische Köpfe und Menschen gegeben hätte, die ihr Leben riskiert hätten, würden wir heute noch glauben müssen, dass die Erde eine Scheibe ist und die Sonne sich um sie dreht. Aus eben diesen Gründen steckt die Medizin in einer tiefen Krise. Wie tief, zeigt sich auch am Beispiel Krebsmedizin.

Krebs im Vormarsch

Krebs ist mittlerweile die zweithäufigste Todesursache. Gegenwärtig sterben in der westlichen Hemisphäre jährlich 10 Millionen Menschen an Krebs. 1,4 Millionen sind es in den USA, circa 300.000 bei uns. Tendenz steigend, bei Männern übrigens mehr als bei Frauen.

1989 sahen selbst die Amerikaner ein, dass sie den Kampf gegen den Krebs verloren haben. Trotz intensivster Be­mühungen und Millionen an For­schungsgeldern hat sich die Häufigkeit, an Krebs zu erkranken, zwischen 1975 und 1989 um 13 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum erhöhten sich auch die Krebstodesraten um 7 Pro­zent, wahrend sich die 5-Jahres-Uber­lebensrate kaum veränderte. Sie stieg um 2 Prozent an.

Brustkrebs kann uns hier als Parade­beispiel dienen. Er hat sich mittler­weile zur führenden Todesursache bei Frauen zwischen 35 und 54 Jahren ent­wickelt. 1971 noch lag die Wahrschein­lichkeit, als Frau einen Brustkrebs zu entwickeln, bei 1:14. Heute liegt sie bei 1:8. In den letzten beiden Jahrzehnten sind mehr amerikanische Frauen an Brustkrebs gestorben als Amerikaner in den beiden Weltkriegen, dem Korea-,Vietnam- und Irakkrieg zusammen. In Deutschland ist das Brustkrebsrisiko seit 1950 um 250 Prozent gestiegen. Auch der Prostatakrebs wird heute um 40 Prozent häufiger diagnostiziert als noch vor 10 Jahren. Wofür also geben wir das ganze Geld aus, wenn es sich nicht in der Absenkung der Krebser­krankungsraten und der höheren Hei­lungsrate niederschlagt?

Die Gesundheitsmafia

Es gibt eine Reihe von Büchern, die auf die Missstände in unserem Ge­sundheitssystem hinweisen. Das jüngs­te wurde im April 2005 veröffentlicht: „Die Gesundheitsmafia“ von Marita Vollborn und Vlad Georgescu.1 Die Problematik war allerdings schon viel früher bekannt. Bereits 1983 schrieb Peter Sichrovsky das Buch „Bittere Pillen“, 1984 folgte „Krankheit auf Rezept — die Praktiken der Praxisärz­te“.2 „Heilen verboten – töten erlaubt, die organisierte Kriminalität im Ge­sundheitswesen“ von Kurt G. Blüchel lieferte 2003 ein schonungsloses Portrait des bundesdeutschen Medizin­betriebs.3 „Die Bataillone der Skal­pellvirtuosen und Chemokunstler“, so Blüchel, „operieren Millionen Kranker allein aus Profit- und Karrieresucht.“ Vieles von dem, was dort beschrieben und kritisiert wird, kann ich als Ärzticher Direktor einer onkologischen Fachklinik nur bestätigen.

„Giftkur ohne Nutzen“

Die Chemotherapie ist in Verruf ge­raten. 1997 erschien von Dr. Ralph W. Moss bereits das Buch „Fragwürdige Chemotherapie – Entscheidungshil­fen für die Krebsbehandlung“.4 Er erklärt darin, wie sich die Chemo­therapie im Umfeld von Einzelin­teressen entwickelt hat und bei wel­chen Tumorarten sie tatsächlich gute Ergebnisse bringen kann. Erst 2004 greift eine so renommierte Zeit­schrift wie „Der Spiegel“ das Thema auf und bezeichnet die Chemo­therapie als „Giftkur ohne Nutzen“. Doch noch immer wird Patienten zu teilweise mehrmaligen Chemothera­pien geraten, auch wenn sie, wie im Fall von Brustkrebs, nichts bringen. So hat sich trotz vermeintlich verbesserter Chemotherapien hier die Todesrate bei Brustkrebs seit 1920 nicht verändert!

Therapieziel verfehlt

Die Überlebensrate nach 10 Jahren bei Brustkrebs beträgt 40 Prozent, wenn die Patientin keine Chemotherapie bekommen hat. Hat sie sich einer Che­motherapie unterzogen, liegt sie bei 47 Prozent. Das bedeutet: sieben von 100 Frauen bringt die adjuvante Standard­therapie wirklich etwas. Bei den restli­chen 93 Frauen ist sie nicht angebracht und verursacht unnötige Kosten. Aber: alle 100 Patientinnen leiden unter den gehörigen Nebenwirkungen. Soll man also wirklich 100 Frauen einer Giftkur aussetzen, um sieben zu helfen? Denn 93 hatten auch ohne Chemotherapie kein Rückfall bekommen.

Ähnlich sieht es beim Prostatakar­zinom aus. In einer Studie von 2002 wurden 700 Prostatakrebs-Patienten in zwei Gruppen randomisiert (auf­geteilt). Die erste Gruppe wurde nicht behandelt, sondern nur beobachtet („Wait and Watch“). Die zweite Grup­pe wurde radikal prostatektomiert – mit allen Nebenwirkungen wie Impo­tenz, Inkontinenz und so weiter. Das Ergebnis: es gab nach sieben Jahren keine Unterschiede in der Überle­benszeit beider Gruppen. In der Placebogruppe starben 62 Männer, in der Gruppe der operierten 53 an Prostata­krebs, dafür aber öfter an anderen Erkrankungen.5 Die Frage ist nun: Soll man 340 Männer nutzlos operieren, um sieben davor zu bewahren, nicht an Prosatakrebs zu sterben, dafür aber an etwas anderem? Ich glaube, die rich­tige Antwort fällt jedem leicht.

Medizin und Weltbild

Lothar Hirneisen, Vorsitzender des Ver­bandes „Menschen gegen Krebs e.V.“, drückte es in dem Titel seines Buches so aus: „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe“.6 Damit setzt er die heutige Medizin mit der Weltanschauung des Mittelalters gleich. Auch damals wurde nur geglaubt, was geglaubt werden durfte. Ketzer wurden verbrannt. In der heutigen Medizin gibt es ebenfalls eine gängige Lehrmeinung. Wer ihr nicht folgt, wird als unseriöser Scharlatan ab­getan und geachtet. Damit ist eine demo­kratische Auseinandersetzung mit der Vielfalt aller Therapien, Therapieansätze und Meinungen unmöglich geworden.

Medizin als gesundheitliche Bedrohung

Wo viele Arzte sind, sterben viele Menschen. In Regionen mit gerin­ger Arztdichte herrscht die geringste Sterblichkeit. Das ist statistisch erwie­sen. Bei Ärztestreiks in diversen Ländern konnte man immer wahrend der Streikphase ein Abfall der Sterblich­keit feststellen, die gleich nach Wie­deraufnahme ihrer ärztlichen Tätigkeit anstieg. Ebenfalls bekannt ist, dass Medikamente krank und abhängig machen können. 2003 war der Skan­dal über die gängigen Hormonersatztherapien bei Frauen per­fekt: Was Frauen über die Wechseljahres­beschwerden helfen sollte, löste Krebser­krankungen aus. In einem Zeitraum von zehn Jahren sind ver­mutlich 127 000 Frau­en an Krebs erkrankt, weil sie synthetische Hormonmedika­mente bekamen. Da­bei sind die Wechsel­jahre eine natürliche Lebensphase und keine Krankheit, die es zu therapieren gilt.

Schon drei Jahre zuvor war in den US­-Medien ausführlich darüber berichtet worden, dass Hormontherapien kaum einen Nutzen, dafür aber große Ge­fahren mit sich bringen. Dass die Deutschen hier nicht entsprechend schnell reagierten, hat einen guten Grund. Die medizinische Forschung wird vielfach von der Pharmaindustrie gesponsert. Kein Wunder also, dass ihre Ergebnisse den Interessen des Auftraggebers ent­sprechen.

Auch diagnostische Methoden kön­nen krank machen. Die Deutschen liegen hier vorne: sie haben die höchs­te Röntgenstrahlenbelastung weltweit. Angesichts dieser gesundheitlichen Be­drohung durch die konventionelle Me­dizin hat Autor Vernon Coleman 2005 den Ratgeber „Wie Sie Ihren Arzt da­von abhalten, Sie umzubringen“ her­ausgebracht.7 „Die Wahrscheinlichkeit, an den Nebenwirkungen der Medika­mente zu sterben, die Ihr Arzt Ihnen verordnet hat, ist fünfmal hoher, als bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen!“ schreibt er.

Die globale Krebskrise

Krebs ist die teuerste Krankheit überhaupt. Sie kostet die Kassen 25 Milliarden Euro pro Jahr. 5 Prozent aller Kranken haben Krebs, verursachen aber 12 Prozent der Kosten. Hier ist kein Ende abzusehen, denn durch vorgegebene Richtlinien sind Patienten wie Ärzte gezwungen, bei der Behandlung von Krebskranken häufig den teuren Weg der Chemotherapien zu gehen. Ihre Nebenwirkungen müssen dann mit ebenfalls teuren Mitteln behandelt werden (zum Beispiel Antiemetika, G-CSF und so weiter). Und das bei manchmal denkbar ungünstiger Prognose. Allen Hoffnungen und Behauptungen zum Trotz bringt die heutige Krebstherapie keine besseren Langzeitergebnisse als die Therapien vor 30 Jahren (siehe hierzu den Spiegelartikel). Woran liegt das? Mir fallt die Antwort nicht schwer, sie lau­tet: Weil es der konventionellen Krebs­medizin gelungen ist, das Heilprinzip aus der Medizin zu nehmen und es durch eine symptomatische Behand­lung zu ersetzen. Der sichtbare, fühl­bare Tumor ist nicht die Krankheit, sondern ein Symptom und Produkt einer tiefer liegenden Erkrankung. Die Entfernung eines Tumors ist da­her auch keine kausale, sondern eine symptomatische Therapie. Das Mili­eu, in dem der Krebs entstehen konnte, wird gar nicht oder zu wenig berücksichtigt. Die Krebserkrankung wird nach Schema F behandelt: Schneiden, verstrahlen, vergiften. Natürlich gibt es neben Operation, Chemotherapie, Be­strahlung, Hormontherapie mit synthe­tischen Produkten und Schmerzthera­pie auch ein wenig Psychologie. Doch auf das einzelne Individuum, seine körperliche und psychosoziale Situati­on wird nicht oder selten eingegangen, dem Mensch wird als Ganzheit in sei­ner Einmaligkeit nicht entsprochen. Um auf unser Beispiel mit dem Brust­krebs zurückzukommen, so werden heu­te fast alle Frauen dieser Welt gleich be­handelt, wenn sie ein Mamma-Karzinom entwickeln. Es gibt einen festgelegten Standard: Operieren, bestrahlen, che­motherapieren. Ein Computer könnte diese Therapie vor­schlagen, wenn man ihn mit der entspre­chenden Tumorformel füttert, eine trainierte Schwester konnte sie durchführen. Die da­bei angewandten Zy­tostatika verhindern zwar vielleicht das Krebswachstum, aber schädigen gleichzeitig auch das gesunde Ge­webe. Das Immunsys­tem der Patientin, das schon vor der Krebserkrankung erkennbare Schwachen auf­wies, wird weiter geschwächt, ebenso andere Organe wie Knochenmark, Le­ber, Niere und Nervensystem. Der Or­ganismus muss mit einer riesigen Giftlast fertig werden, was ihm aber nicht immer gelingt.

Komplementäre Krebstherapie

Die komplementäre Krebstherapie da­gegen hat ein ganz anderes Ziel, näm­lich die Gesundheit des Patienten so zu stärken, dass die Grunderkrankung besser kontrolliert werden kann. Da­zu wird das Immunsystem unterstützt, der Patient entgiftet und seine Or­ganfunktionen verbessert. Gleichzei­tig werden sein Lebensstil und seine psychische Grundhaltung betrachtet und eventuell korrigiert beziehungs­weise entsprechende Hilfen angebo­ten. Dabei orientiert sich die komple­mentäre Krebsmedizin besonders am Krankheitsverlauf des einzelnen, sei­nen individuellen Problemen und seiner Charakteristika. Es ist eine ganzheitlich orientierte Individualtherapie.

Verschiedene Therapieansätze werden je nach Situation des Patienten miteinbezogen: Homöopathie, Sporttherapie, Galvanotherapie, Hyperthermie, Orthomolekulare Medizin, Naturheilverfahren, Ernährungstherapie, Immuntherapie, Psychologie und Traditionelle Chinesische Therapie. Alle diese besonderen Therapieformen haben wenige Nebenwirkungen, bringen aber den Patienten dazu, sich Stück für Stück sein aktives Leben zurückzuerobern und einen Kampf­geist gegenüber seinem Krebs zu ent­wickeln. Manche dieser Therapien haben keine direkte, sondern eine indi­rekte Wirkung. Jede für sich erscheint manchmal auf den ersten Blick und für ignorante Ärzte wert- und wirkungslos, aber wie Steine eines Mosaiks, die für sich betrachtet auch nicht beson­ders wertvoll sind, zusammen ergeben sie aber, sorgfältig und individuell an­gepasst, ein Kunstwerk ergeben. In der komplementären Medizin wird Medi­zin wieder zur Kunst und nicht wie die konventionelle Medizin eine standar­disierte Medizintechnik, die nur Symp­tome behandelt, aber nicht den Men­schen als Ganzes. Wir ermuntern unsere Patienten, sich auf sich zu konzentrieren und ein ak­tives Leben zu führen (Sport, Clubs, etc.). Wir geben ihnen Instrumente, die sie aktiv für sich verwenden können, sie werden in ihren eigenen Gesundungs­prozess aktiv mit eingebunden. Körper, Geist und Seele sind gefordert. Wir wis­sen, dass das Gehirn und die Immunab­wehr trotz aller Verschiedenheiten eng zusammenarbeiten. Sie tauschen stän­dig Informationen aus und benutzen dazu auch die gleichen Bahnen. Das er­klärt nicht nur manche psychische Stö­rung bei körperlichen Erkrankungen und umgekehrt, sondern auch, warum beispielsweise Visualisierungstechniken so gut funktionieren. Nur die Wieder­herstellung einer Homöostase auf die­sen drei Ebenen ermöglicht die dauer­hafte Wiedergesundung und dauerhafte Überwindung der Krankheit.

Die Lösung: eine neue Medizin

Was wir zur Lösung aller oben genann­ten Probleme brauchen, ist eine neue Medizin, in der die Stellung des Arztes wieder deutlich verbessert wird. Erst wenn seine Freiheit und Unabhängigkeit gewährleistet werden, sind auch wieder Individualentscheidungen bei Patienten möglich. Gleichzeitig sollten wir den Patienten ebenfalls ein Selbstbestimmungsrecht einräumen. Wir soll­ten ihnen ihre Gesundheit wieder ge­ben und sie ihnen nicht wegnehmen. Wenn wir es nicht schaffen, eine Wende herbeizuführen, müssen wir uns nicht wundern, wenn es mit der Medizin von heute weiter bergab geht. Und wir den guten Ruf verlieren, den die deutsche Medizin weltweit einmal gehabt hat. Wir brauchen einen starken Dachver­band, der eine „Integrative Medizin“ nach außen repräsentiert und in allen wichtigen Gremien vertreten ist. Die­ser Dachverband muss sich intensiv für die Rechte von Patienten und Ärzten gleichermaßen stark machen.

Dieser Beitrag erschien in raum & zeit 148/2007.

Anmerkungen

  1. Samuel Fischer-Verlag, Frankfurt a. M. 2005
  2. beide Kiepenheuer & Witsch, Köln 1983 bzw. 1984
  3. Bertelsmann, München 2003
  4. [Haug Verlag, Stuttgart 1997
  5. NEJM 346 (2002), S. 781–786
  6. Sensei Verlag, Kernen 2002
  7. Kopp-Verlag, Rottenburg a. N. 2005