Broccoli beinhaltet Substanzen, die ein großes antikarzinogenes Potential besitzen und vor der Entstehung bestimmter Arten von Krebs schützen. Die Rede ist von Indol-3-Carbinol (I3C) bzw. Diindolylmethan (DIM). I3C wird deshalb mittlerweile in der Tumortherapie eingesetzt.

Supplementierung mit Indol-3-Carbinol

Indol-3-Carbinol findet sich reichlich in Kreuzblütlern wie Broccoli, aber auch in anderen Kohlsorten. Es wird im Magen zu 3,3-Diindolylmethan (DIM) umgewandelt und weist eine besondere Wirkung auf den Östrogenstoffwechsel auf.

Östrogenstoffwechsel

Es gibt drei verschiedene Östrogene: Östron (El), Östradiol (E2) und Östriol ( E3). Sie haben jeweils eine unterschiedliche Wirkung. Dasselbe gilt auch für ihre Metaboliten. Im Normalfall besteht zwischen den Metaboliten der Östrogene  ein Gleichgewicht. Dieses kann jedoch durch verschiedene Faktoren wie die Ernährung, die Umwelt oder bestimmte Medikamente zerstört werden.

Wenn etwa die „schlechten“ Östro­gene wie zum Beispiel 16-Hydroxyestron (16-OH) überwiegen und die Gruppe der „guten“ Östrogene wie 2-Hydroxy (2-OH) und 2-Methoxyestron (2-Me) zu niedrig sind, kann es zu ernsten Komplikationen kommen. Langfristig kann sich dies schwerwiegend auf die Gesundheit auswirken und zu verschiedenen Krankheiten führen, auch zu Krebs. Die „guten“ Östrogene lassen keine Oxidation und Beschädigung von DNA zu, die zur Krebsentste­hung führen könnten. Leider erfolgt aber im Laufe des Lebens ein Anstieg der „schlechten“ Östro­gene. Da Östrogen nicht gleich Östrogen ist, gilt es, zwischen den einzelnen Östrogenen, ihren Metaboliten und den jeweiligen Eigenschaften zu unterscheiden!

I3C und Östrogenhaushalt

Wie bereits betont, wird I3C im Magen zu DIM umgewandelt. DIM ist die aktivere Substanz. Sie wirkt sich positiv auf den Östrogenstoffwechsel aus. Eine Änderung des Östrogenstoffwechsels kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu positiven Wirkungen führen.

Bereits 1987 konnte in Studien eine nicht-toxische und antikarzinogene Wirkung von I3C bzw. DIM nachgewiesen werden. Man führte dies auf eine Hemmung des Östrogenrezeptors zurück. Darüber hinaus stellte man auch eine Steigerung der Apoptose fest. Alles in allem konnte man zeigen, dass I3C bzw. DIM die Zellteilung und damit das Wachstum von Tumoren ver­langsamte.

Heute wissen wir, dass DIM zu einer Steigerung der Produktion von 2-Hydroxyestrone (2-OH) um bis zu 75 Prozent führen kann, bei einer gleichzeitigen Reduktion von 16-Hydroxyestrone (16-OH). Das ist eine günstige Verschiebung, weil sie bei Frauen mit einem erhöhten Schutz vor Brust- und Gebärmutterkrebs und bei Männern mit einem Schutz vor Prostatakrebs einhergeht.

Indol 3 Carbinol bzw. DIM wirken auf den Östrogenstoffwechsel
Indol-3-Carbinol bzw. DIM wirken auf den Östrogenstoffwechsel ein.

Ein weiterer Vorteil der Substanz ist, dass die positiven Effekte der Östrogene erhalten bleiben. Denn die „guten“ Östrogenvertreter bleiben weiterhin aktiv bzw. erhöhen ihre Aktivität sogar noch. Die Abbildung zeigt, wie Indol-3-Carbinol bzw. DIM auf den Östrogenstoffwechsel wirkt und wie sich das Verhältnis der einzelnen Metaboliten hin zu den „guten“ Östrogenen verschiebt.

I3C und DIM in den Wechseljahren

Vor Eintritt der Wechseljahre kommt es in der Lutealphase oder der zweiten Zyklushälfte häufig zu einer Reduktion der Progesteron-Produktion und damit zu einem Hormonungleichgewicht. Dem Östrogen Östron (E1) und dem 17ß-Östradiol (E2) fehlt also die Kontrolle durch das Progesteron. Die Folge ist eine Östrogendominanz. Diese ist häufig verbunden mit prämenstruellen Stimmungsschwankungen, Schwellung der Brüste, Migräne, Wassereinlagerung etc.

Die regelmäßige Einnahme von I3C bzw. DIM kann in solchen Fällen nützlich sein, da es die guten Östrogenmetaboliten stimuliert. DIM kann daher prämenopausal Stimmungsschwankungen und Brustschmerzen unterdrücken.

Wechseljahre und Hormonersatztherapie (HRT)

Etwa 20 – 30 Prozent der postmenopausalen Frauen nehmen exogene Östrogene ein, und zwar synthetische Hormone, um die Folgen eines Östrogenmangels auszugleichen. Wie spätestens seit einer viel beachteten Studie der Wommen’s Health Initiative (WHI) aus dem Jahr 2002 bekannt geworden ist, wenden sich immer mehr Frauen der Substitution mit bioidentischen Hormonen zu oder nehmen Östrogenvorstufen wie DHEA (Dihydroepiandrosteron) ein. Ein großer Teil der postmenopausalen Frauen verzichtet trotz möglicher Beschwerden jedoch aus Angst vor einer Erhöhung des Brustkrebsrisikos auf eine Hormoneinnahme, wie in der WHI-Studie zu lesen ist.

Ein Östrogenmangel ist jedoch mit Risiken verbunden: Osteoporose, eine Verschlechterung der Gedächtnisleistung, Alzheimer oder kardiovaskuläre Krankheiten sind mögliche Folgen. Unter Östrogenmangel kommt es auch häufiger zu Scheidentrockenheit oder trockener Haut.

Hier kann die Einnahme von DIM Abhilfe verschaffen. Sie bewirkt eine positive Beeinflussung des Östrogenstoffwechsels in Richtung guter Östrogenmetabolite und kann somit auch in Verbindung mit einer Hormonersatztherapie das Risiko auf die Entstehung bestimmter Krebsarten wie Brust- oder Gebärmutterhalskrebs verringern. DIM kann also das Risiko einer Hormonersatztherapie hinsichtlich der Entstehung Krebs einschränken. Da wir jedoch seit Jahren nur mit bioidentischen Hormonen arbeiten, wissen wir ohnehin, dass man völlig auf synthetische Hormone verzichten kann, wenn man stattdessen bioidentische Hormone bei der Therapie einsetzt.

I3C und DIM beim Mann

Auch bei Männern gibt es so etwas wie die Wechseljahre bei Frauen: Im Laufe der Jahre kommt es zu einem altersbedingten Testosteronabfall und zu einem Anstieg in der Bildung von sogenannten sexualhormonbindenden Globulinen (SHBG). Dies führt zu einem Abfall des freien Testosterons, weil mehr Testosteron an das SHBG gebunden wird.

Die Prostata aber benötigt dringend freies Testosteron, um das Prostatasekret bzw. Ejakulat zu bilden. Ähnlich wie bei der Schilddrüse im Falle eines Jodmangels wächst die Prostata bei eine ungenügenden Versorgung mit Testosteron, da auch hier nun Östrogene dominant werden. In dieser Situation kommt es leicht zum Auftreten einer Prostatahypertrophie (BPH).

DIM enthält Mediatoren, die dafür sorgen, dass Testosteron wieder in freier Form an der Prostata ankommt. Das ermöglicht den Rückgang der Hypertrophie. DIM hemmt über das vermehrte Aufkommen von „gutem“ Östrogen bzw. der gleichzeitigen Abnahme von „schlechtem“ Östrogen außerdem die Zunahme des PSA-Antigens und wirkt damit auch einer Prostatahypertrophie entgegen.

Bei Männern hat DIM eine weitere interessante positive Wirkung. Es sorgt für eine vermehrte Bildung von 2-Methoxyestradiol (2-Me) (s. Abb. 1). Dieser Östrogenmetabolit weist neben seinem Antikrebseffekt vor allem auch eine starke Wirkung gegen Arteriosklerose auf. 2-Me hat starke zudem antioxidative Eigenschaften und nimmt so Einfluss auf den Lipoproteinstatus, also zum Beispiel Cholesterin.

Schließlich kann eine DHEA-Supplementierung bei Männern mit Testosteronmangel durch die gleichzeitige Einnahme von DIM auch sicherer durchgeführt werden. Das ist bedeutsam, weil viele Männer oftmals aus Angst vor einem überhöhten Testosteronspiegel Abstand von der Supplementierung nehmen.

Dosierung

Die Tagesdosis an Indol-3-Carbinol beträgt 300 – 600 mg.

Es ist in Apotheken erhältlich.